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Xóchil A. Schütz

Xóchil bespricht: Schönste Lieder vom Grund des Lebens

Gutem Kulturgut tut es gut, nicht nur einmal rezensiert zu werden. Auch wenn das neue Album des Poeten und Liedermachers Jan Koch hier bereits vorgestellt wurde, gibt es von mir eine Besprechung.
Jans Lieder-Album „Im falschen Café“ ist deutlich trauriger als seine erste und wahrscheinlich bekannteste CD „Ewiger Mai“. Der „Ewige Mai“ war in meiner Wahrnehmung feinsinnig und dabei resolut: Ein Protagonist machte sich tiefe, traurige, schöne Gedanken - dem gegenüber stand eine kräftige, klare Stimme und der Mut, alles für möglich zu halten.

Im falschen Café bleibt Zeit, zu grübeln, sich auf den Grund zu grübeln, auf den Grund des Lebens. Dabei überrascht Jan ab und an mit Bildern, die Spaß machen.

In meinem Gefühl berichtet der Sänger in seinen Liedern nicht vom viel beklagten Rand, sondern vom Grund der Gesellschaft. Mit ist, als sähe ich jemanden in der Pfütze auf einem Flaschenboden sitzen, fluchen, staunen, suchen – und feststellen, dass nach oben Luft ist und dabei von der Seite Licht einfällt.

Es geht um Resignation, Melancholie und Verzweiflung, um die Bewertung vergangener Lieben und den Umgang mit ihnen. In seltenen Momenten geht es um Wehmut und Sehnsucht. Einmal klingt Jan feinsinnig und weise, zärtlich und klar, ein anderes Mal abgefuckt, hilflos, grob.

Zuneigung zu und Abscheu vor Menschen, das Glück, alleine glücklich zu sein und die geliebte Nähe zumindest zu Frauen – bei Jan findet das nebeneinander Platz; ich persönlich mag das.
Hier tut nämlich keiner, als sei das Leben doch eigentlich ein großer, toller Klamauk, hier tut aber auch keiner, als sei das Leben kein großer, toller Klamauk. Es gibt Raum für Widersprüche, und für mich zumindest gehört Widersprüchlichkeit deutlich zur menschlichen Existenz, viel deutlicher als die Eindeutigkeit.

Es gibt also viel zu entdecken auf Jans Album. Ich will es allen empfehlen, die Grund zu denken und zu fühlen haben.

Wer Jan Kochs Lieder noch nicht kennt, könnte trotzdem erst einmal mit dem „Ewigen Mai“ anfangen. „Im falschen Cafe“ ist eventuell etwas für Jan-Koch-Fortgeschrittene.


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* Jan Koch: Im falschen Café. 2010. 14 Euro.
Mit einem wunderschönen Cello, das Jan (Text, Gesang, Gitarre) gelegentlich begleitet.
* Jan Koch: Ewiger Mai. 2006. 10 Euro.

Zu beziehen über amazon oder http://www.jankoch.org/Versand
Jans Seite ist ohnehin einen Besuch wert, klicket hin und sehet.

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Xóchil A. Schütz

Xóchil A. SchützAutorin, Spokenword-Poetin, Diplom-Politologin
*1975

Seit dem Jahr 2000 Lesungen und Auftritte in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Belgien, Kroatien, Tschechien, der Slowakei, Polen, Lettland, der Ukraine und den USA

Diverse Preise und Stipendien
Zahlreiche Einzelpublikationen