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Straeter

In Echt jetzt: Der NRW Slam 2010, September. Ein Rückblick.

Dieser Bericht bedurfte etwas zeitlicher Distanz; man kennt das. Es geht in diesem kleinen, seltsamen Machwerk ohnehin nicht um das Konzept von Sieg oder Nichtsieg, sondern um das Drumherum. Vorneweg: schriftstehler hat neuerdings recht, ich bin bekehrt, der Startplatz ist wichtig, mehr noch, der Startplatz ist die dunkle Macht. Es schadet allerdings nicht, einen guten Text dabei zu haben, oder, wenn das nicht geht, einen den die Leute hören wollen.


Hier also: The Truth. Zwei Tage Bielefeld, alles mit drin: Poeten, gute Flyer, bunte Hostels, Katzen, Glatzen, Kicker aus Kabul und der Beweis, dass man SO EINEN BART haben kann, das aber nicht auf den Text zutreffen muss.

Reise am Freitag an, hinter und neben mir im Wagen verkeilt: Sina Langner und Laura Reichel.
Die Hasen.
Wir erreichen Bielefeld ohne die erwarteten Dramen: Die heftig im WDR beworbene eingestürzte Brücke ist nicht nur eingestürzt, sondern auch weggeräumt worden, die Bahn ist frei, Bielefeld existiert.
Wir halten am Rastplatz Gütersloh und erfreuen uns über Gebühr am Wertbon-System von SANIFAIR. Eines Tages werde ich es tun. Vom Klo kommen, meinen Wertbon an der Kasse hochhalten und sagen:
»Guten Tag, mein Name ist Sträter, ich komme gerade vom Kacken und hätte dafür gern ein Hanuta.«
Man löst diese Voucher-Dinger immer schweigend ein. Warum?

Dann: Bielefeld, Hermann-Dingenskirchenstr. Wunder geschehen: Ich erwische auf Anhieb einen Parkplatz. Das Theaterlabor ist wunderschön, geräumig, verfügt über eine extrem gut fluppende Gastronomie, da ist ein unter der Last durchbiegender, durchgehend besetzter LEKTORA-Buchtisch.
Vor allem verfügt das Theaterlabor über ein Arsenal immer größer werdender, verschachtelt hintereinander angebrachter Veranstaltungshallen. Die Front des Gebäudes wirkt wie das Jugendzentrum von Castrop, aber innen könnte man die Schlacht von Helms Klamm aufführen.
Wir erhalten den SEHT!POET!ICH!-Künstlerpass zum Umhängen.
Er hat das Format einer Pizzeria-Karte und ein Bild von mir vorne drauf. Also nur meiner.

Vor dem Hostel (Fußweg: 30 Meter, barrierefrei) nehme ich mein Willkommenspaket in Empfang.
Gutscheine für dies und das, ein Ablauf.
Ich bin erschüttert ob der Perfektion, die hier vorgelebt wird. Alter, denke ich. ALTER! Ich denke an diesem Wochenende noch recht häufig unreflektiert ALTER! Bzw. AL-TER, EY!
Das Hostel, und ich bin kein großer Hostelfreund, ist großartig. Schön bunt.
Es gleicht eher einem Hotel, aber von der Sorte, wo einem mal keiner zu leiser Vier-Jahreszeiten-Parfümerien-Klassik den Arsch nachträgt.
Großartige Badezimmer, für mich immer der Indikator für eine gute Behausung. Gott sei Dank auch kein Kartensystem an den Türen. Stattdessen ein Oldschoolschlüssel an einem Anhänger, mit dem man jemanden totschlagen kann.
In meinem Zimmer, 109, mit einquartiert - Dominik Bartels, und ich sage: was ein angenehmer Mensch, der.
Wie überaus smooth der ist, erweist sich zu früher Morgenstunde. Ich tapere ins Zimmer, Dominik schläft, lautlos, kultiviert, ganz ohne die von mir gefürchteten Nachtmahr-Tendenzen mir vage bekannter Mitschläfer. An sich ist es immer das Gleiche.
Ein Beispiel. So habe ich es bei Zweimann-Nächtigungen stets, oder zumindest oft, erlebt:

BEISPIELZIMMERNACHBAR, Zeitraum von 2:00 – 7:45 Uhr:
2.11 Uhr
Furzt. Augenblicklich spukt es im Zimmer. Aber ganz übel.
2:22 Uhr
Fährt hoch, stößt ein kehliges Geräusch aus, sackt nach hinten und schlägt sich den Schädel am Bettrahmen an.
3:12 Uhr
Beginnt, im Dunkel zu fuhrwerken; sucht eine Wasserflasche, säuft sie geräuschvoll halb aus, rülpst dann und geht dazu über, 22 Minuten lang eine geeignete Position auf der Matratze zu finden, irgendwas zwischen Fötal und allzeit bereit.
3.47 Uhr
Schreckt aus dem Schlaf hoch, fahl wie eine Made, kreischt verwaschen: »LISBETH! DIE HÜHNER! MEIN GEMÜT! MEIN GEMÜT!« Sackt dann zurück.
4:38 Uhr
Erwacht gegen fünf vollends, spricht mich vierzig Mal an: »Sträter. Bist du wach? Wie spät ist das? Sträter? Sträter! Wie spät! Ey! Sachma! Sträter? Bist du wach? Hallo? Wie spät ist das?«
»ES IST FÜNF! FÜNF! HALT DIE FRESSE!«
Murmelt: »Boah das ist ja total früh.«
Raschelt sich weitere zehn Minuten in den Schlaf. Steht dann aprubt auf, geht pinkeln. Überall flammt Licht auf. Ich will tot sein. Höre ihn geräuschvoll pullern. Er kehrt zurück, bricht auf seiner Lagerstatt zusammen. Ich lausche eine Stunde dem gemächlichen plätschern des sich auffüllenden Spülkastens. Irgendwann werde ich den Antichristen auf dem Zimmer haben, eine Type, die nachts aufsteht, um ein 10.000-Teile-Puzzle vom Topkapi Palast zu machen oder die Wand an meinem Bett neu zu tapezieren.
Aber Dominik Bartels ist ein Top-Typ. Er ruht wie ein Universal Soldier. Ruhig, kultiviert, still. Sollte jeder mal mit geschlafen haben.

Jetzt jedoch: Die Vorrunden.

Die Vorrunden finden parallel statt.
Ich habe Mörderglück und darf im größeren Saal auftreten. Bis zu meinem Auftritt wechsele ich ständig zwischen kleinem und großen Saal, um ein bisschen zu schauen. Im kleineren Saal wird für große Gefühle gesorgt.
Die Punkte werden mit Kommastellen vergeben. Das ist ja mal DERB, denke ich, das war das letzte Mal aber nicht so, aber so sind sie, die Bielefelder. Trotzdem: Diese Kommastellen … ich für meinen Teil möchte mir gern einen Punktetafelmenschen krallen, am Kragen aus der Anonymität des Publikums ziehen und lautstark fragen:
»Sag mal, du Vogel, das mit der 8 sehe ich ja ein – aber wie zum Schinder kommst du auf 8,4? Was für ne Komma 4? Wofür steht die? Du Feinmechaniker!«

Ich habe noch mal Glück: Startplatz 6 in meiner Gruppe. Mir schwappt mein kühner Beitrag zu Schriftstehlers Aufsatz über den Startplatz vor die Hirnrinde. Halten wir erneut fest: Recht hat er. Der Startplatz entscheidet viel mit, zumindest in Bielefeld. Je später der Abend, um so höher die Punkte.
Vernünftig ist das Ausscheiden von Sebastian 23 nicht zu erklären, nun … Startplatz 1.
sushi da Slamfish tritt als Letzter der Gruppe an, bellt seinen Text heraus und geht noch während des Vortrags vom Mikro weg, durch die Menschenmenge und in die Lobby. Schließt seinen Vortrag nahe der Herrentoilette mit einem geschrienen »DAS IST POETRY SLAM!« (oder ähnlich) und rockt sich damit in die Finalrunde. Hernach Entspannung, wie ich mit meinen 44 »chillen« gern nenne.

In der großen Finalrunde: Florian Cieslik, Anke Fuchs, Fabian Köster (15! In Worten: Fuffzehn!«), Fabian Navarro, Patrick Salmen, schriftstehler, Sabrina Schauer, Marc-Oliver Schuster, Sven Stickling, sushi, Sascha Thamm … und ich. Und Tobias Kunze. Wenn er da gewesen wäre. War er aber nicht. Aber wenn. Dann. Ganz sicher.

Zwischendurch mal eingeschoben: Ich wurde ein paar Mal gefragt, wie das wäre, nur noch ein paar Stunden NRW-Meister zu sein, ha-ha. Die Antwort: Geht so. Eine Titelverteidigung ist nicht so lustig, wie es klingt, denn alle Selbstzweifel, die man sich mühsam und übers Jahr aus dem Leib gelesen hat, sind wieder da, angereist auf dem Sperrsitz meiner vermeintlichen Gleichgültigkeit.
Ich muss mir selbst eingestehen, dass ich schon zumindest ins Finale möchte, also in den kleinen, brennenden Kreis hinter der Zwölferrunde. Ich beginne, Ansprüche an mich zu stellen. Gut ist das nicht. Ich bin eigentlich mir selbst gegenüber relativ anspruchslos und lasse mir viel durchgehen. Selten hat ein Mensch sich selbst derartig Fünfe gerade sein lassen, aber ich trage seit Freitag einen zugeklebten Umschlag mit mir herum, gebraucht, abgestempelt von DHL, mit dem Namen des Siegers darin – ich bin mir sicher, diese Person wird’s, aber ich bin mir genauso sicher: Den Umschlag gibste keinem, das ist affig, selbst wenn ich anschließend so was sagen kann wie: Habbichdochgesagt. Ich will hinter diesem Menschen im Finale landen, damit komme ich mental klar, sage ich mir, dann habe ich wenigstens recht,und zusätzlich ist es so, dass ich auch mental damit klarkomme, wenn ich morgen rausfliege, man ist ja nicht aus Zucker, aber woher zum Fuck kommt plötzlich dieser Ehrgeiz?
Nach den Vorrunden aber erstmal chillen, wie das Jungvolk zu an sich gültigen Begriffen wie »Entspannen« gern sagt.
Eine unüberschaubare Anzahl von Poeten ordert eine nicht minder nebulöse Anzahl von Taxen, um Essen zu gehen. Frage zwischendurch: Warum hat jeder dritte Poet ein I-Phone mit kaputtem Display? Gibt’s im Internet ne Tauschbörse, wo man erst einen Text einreichen muss, um sich als Slammer zu identifizieren, und dann bekommt man eine Mail, in der steht:
HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZU IHREM NEUEN I-PHONE. ES GEHT IHNEN DEMNÄCHST PER POST ZU.
IST ABER IM ARSCH.

Keinen Schimmer, aber so viele zerschröbelte Geräte hab ich noch nie gesehen.

Mitten in der Nacht. Der harte Poetenkern kickert mit vollem Körpereinsatz im Vergnügungsraum des Hostel, vergebens jedoch. Sulaiman Masomi drischt mit Unschuldsmine einen Ball nach dem anderen ins Tor. Das hat der irgendwo studiert. Zwischendurch kommt immer wieder Mal der Nachtportier des Hostel ums Eck und teilt ungefragt mit, dass man zu dieser nachtschlafenden Stunde die Kandelaber zu löschen hätte und Kickern, Snickers aus dem Automaten ziehen, rauchen und lautes Einatmen nicht erlaubt wäre. Wir nicken zu allem und kickern, rauchen, ziehen rumpelnd Snickers und Atmen wie Godzilla. Dann, zumindest für mich, Nachtruhe in der stillen Kemenate.

Samstagmorgen.
Ich erwache nervös.
Meine Chucks stanken derartig, dass ich sie in einer Plastiktüte eingeknotet habe, deswegen erwarte ich diese Tüte prall unter der Decke schweben zu sehen, aber nix. Frühstück ist von 7.00-9.00, jetzt ist zwanzig nach elf, Auslegungssache.
Taumle ein wenig durchs Hostel, treffe Flo Cieslik und Mischa Verollet. Wir gehen in Bielefeld Kopfschmerztabletten und Kaffee frühstücken. Bielefeld erscheint einem wie Berlin, wenn man unausgeschlafen ist. Dieses Erwachen in fremden Städten ist dazu geeignet, eine längere, von Beschreibungen geprägte und dabei völlig handlungslose Novelle darüber zu verfassen. Ein andermal.
Nachdem mir Laura und Sina bereits am Freitag ein nachträgliches, wundervolles Geburtstagsgeschenk überreichten, kommt nun der Marian ums Eck und überreicht mir eine sehr persönliche Geschenkbox. Ich muss ein bisschen heulen. Das kann ja was werden heute. Ich bin gestern als Bruce Willis eingeschlafen und als Prinzessin auf der Erbse aufgewacht.

14:00 Uhr. Offenes Mike, moderiert von Marc Oliver Schuster. Im Zuge dieser Veranstaltung ermahne ich mich mehrfach, Disziplin im Umgang mit wichtigen Themen walten zu lassen. Beispiel:
POETEN GEGEN ANALPHABETISMUS.
So heißt das.
Ich finde das gut, muss aber drauf achten, es auch so zu benennen, und nicht nachlässigerweise POETEN GEGEN ANALPHABETEN, weil das ein bisschen garstig klingt. Bin sehr nervös, aber immer noch sehr erfreut über den von Jerome herausgegebenen POETEN GEGEN ANALPHABETISMUS-Flyer. Warum? Bitte Bild betrachten. Hab mich selten so gefreut.
Um die Ecke vom Hostel ist ein REAL. Ich marschiere mit Laura und Sara hin, um konkret Duschgel zu kaufen. Hatte meins vergessen, deswegen im ersten Anlauf mit Hostelseife geduscht und fühle mich nun wie der AMAZING HUMMERMAN. Verliere die Damen nach fünf Minuten im Supermarkt, nachdem sie mir reduzierte AC/DC-Bettwäsche gezeigt haben, kaufe dann zwei Baseballkappen, Nähnadeln und eine Dose FEBREZE in Republikverdunklungsgröße, um meinen Chucks mal zu zeigen, wo beim Pavian die Hupe hängt. Und Duschgel, irgendwas mit Mango expressional Boost Fresh Fruit Essence and Wake-Up-Effect.
Rieche nach dem Duschen wie ein Weingummi-Golem.
Vorher: Gespräch mit einer Dame der Reinigung im REAL.

Ich:»Können Sie mir mein Hemd aufbügeln?«
Frau:»Haben Sie es dabei?«
Ich:»Ne. Bring ich Ihnen.«
Frau:(blickt in einen Tischkalender) »Donnerstag?«
Ich:»Was? Ne! Ich brauche das heute. Bis um 20 Uhr!«
Frau:»Dann müssen Sie mir das bringen.«
Ich:»Mache ich.«
Frau:»Aber bis 20 Uhr.«
Ich:»Ja. Das ist eine gute Idee.«
Frau:»Nicht später.«
Ich:»Klaro, kann ich dann drauf warten?«
Frau:»Wir haben bis 22 Uhr auf.«
Ich sage nichts. Kehre um 18 Uhr zurück, warte drauf, kostet 1, 90, fertig.

Eine Stunde vor Beginn des Finales.

Bin nicht mehr ansprechbar. Ich war noch nie so neben der Spur.
Die anderen Poeten schließen Wetten ab, wer gewinnt. Einsatz 1 Euro. Ich geh weg, das ist nix für mich. Trinke vier Bier, einen Kaffee, geht fünf Mal aufs Klo, alle anderen wirken völlig entspannt.
20:00 Uhr.
Die große Halle ist voll, mindestens 400 Leute, blendend gelaunt, links von der erhöhten Bühne die 12 Stühle der auftretenden Slammer. Ich renne rum, gehe allen auf den Sack (nun könnte einer in den Kommentaren kommen und sagen: »Ach wat, du bist doch keinem auf den Sack gegangen!«, aber da kommt keiner, denn ich bin ALLEN enorm auf den SACK gegangen), Mischa beruhigt mich.
Hab die ganze Zeit den MP-3-Player im Schädel. Im Geiste von High Fidelity hier eine Liste ungeeigneter Tracks für nervöse Patienten:

Godzilla Theme, David Arnold
(ich will ins Finale, nicht Tokio zerstören)

Hells Bells, AC/DC
(guter Song, aber mir ist gerade nicht nach Rocknroll - AC/DC ist, als würde man einem Nervenbündel ans Herz legen, acht Dosen RED BULL zu trinken.)

Kanon in D-Dur, Pachelbel
(super zu Suppe und Rotwein, bombig in der Badewanne, das wars aber auch)

A-Team Theme
(fände ich klasse, wenn da nicht gerade ein nerviges Hubschraubergeräusch drin wäre, denn wenn ich eines nicht ab kann, sind das Hubschraubergeräusche. Ich bin mir sogar sicher, dass diese Welt eine Bessere wäre, gäbe es keine Hubschraubergeräusche, außer jetzt für Leute, die auf Hubschraubergeräusche angewiesen sind, wie rotorenaffine Perverse oder Hubschrauberpiloten.)

Besser: Frank Sinatra.
Aber nicht MY WAY. Das ist ein Song, bei dem ich immer direkt in die Grube möchte, Kranz oben drauf, angenehmen Tag noch.

Es beginnt.
Mischa bittet mich, den PREIS vorzustellen. Es handelt sich um eine Netzhautpeitsche in Form eines Schaumgummi-Wrestling-Gürtels mit goldenen Intarsien aus reinem Plastik. Um das Prunkvolle der Trophäe etwas abzumildern, wurde der Titel »NRW-CHAMP 2010« mit Filzstift auf ein Gefrierbeuteletikett gemalt und vorne drangeklebt.
Dann: Die erste Runde, Grande Finale.
Wir sitzen rechts der Bühne in eigenem Gestühl, das hat was von Hogwarts, man möchte sich so einen eckigen College-Abschlusshut zum Hochschmeißen auf den Kopf setzen. Der Nervosität geschuldet krabble ich immer wieder unter dem schweren Trennvorhang her und hüpfe durchs Dunkel hinter der Bühne herum. Vollidiot.
Die ersten Wertungen.
Alle vergebenen Punkte liegen dicht beieinander, alle Poet/innen rocken - wie ich finde, vor allem Anke Fuchs. Die sehe ich mir echt gern an. Nehme mir vor, alles mit dem Handy zu filmen, vergesse es aber eine Minute später. Obwohl Patrick Salmen als Dritter oder Vierter dran ist, holt er Höllenpunkte. Ich überlege mir, ob ich ihn ein bisschen hassen soll, aber das ist nicht hinzukriegen. Ich identifiziere mich mit ihm. Er ist wie eine klarere, bessere, jüngere, aufgeräumterte Version meiner selbst. Ich hätte mit Mitte zwanzig anfangen sollen, auf Bühnen zu klettern, aber als ich Mitte zwanzig war, interessierte sich Marc Kelly Smith noch für was anderes, Kratzbilder vielleicht, oder Moped fahren. Früher hätte ich loslegen sollen. So wie Fabian Köster direkt nach der Entbindung. Der ist 15, erwähnte ich. Präsent ist er auch. Ein FEINER! Finde ich gut, den jungen Mann.
Im Finale dann: Sabrina Schauer, Patrick Salmen, und der T-800, ich.
Sabrina und Patrick performen auf den Punkt, bleiben in der Zeit, erhalten hohe Punkte. Ich indes bin nervös, kürze meinen Text bis an die Grenze der Sinnlosigkeit (wie man schreibt, weiß ich. Kann mir mal einer beibringen, wie man kurz schreibt?) und bin dann fertig. Vier Minuten vor der Bekanntgabe des Ergebnisses hat der einzige Mann mit einem makellosen I-Phone (eine Frage der Zeit …), schriftstehler, das Ergebnis ausgerechnet. Ich liege einen Fliegenschiss vor Salmen. Man kann nicht mal sagen: nach Punkten. Oder »nach Punkt«, nur nach Fragment. Das wars dann. Ich krieg den Gürtel nicht um. Man heult kurz.
(Niemand wird mich dazu bringen »Ich« zu schreiben). Was bleibt?

Der National 2010.

Wenn sich dann Scharri das Bein bricht, Patrick Salmen an den Tagen nicht kann – Fußpflege vielleicht, unaufschiebbar -, Julius Fischer den Zug verpasst, Sulaiman überm Kickern die Zeit vergessen hat … und wenn alle anderen großen Poeten und Poetinnen oder andersrum verhindert sind (Zeppelinflüge? Die Malediven? Erwähnte ich eigentlich, dass ich dachte, STUTTGART 21 sei ein Slam-Poet, der ja mal GANZ STUMPF drauf ist?) dann werde ich zwar vielleicht trotzdem in einer der Vorrunden rausfliegen, aber das ist dann im Ruhrgebiet. Jo. Welch eine Aussage. Sobald ich weiß, was ich damit meine, melde ich mich noch mal.

Danke Bielefeld. Das war toll. Aber irgendwas stimmt mit euren Reinigungen nicht.

Wir sehen uns im Pott. Wir sehen uns (jetzt alle!) IM POTT!
Das klingt jetzt wieder nach SANIFAIR.

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