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POETENMODE II: Karomarotten-Salat

Ihre Kleider ziemten ihr; sie umhüllten jedes Glied, ohne es zu zwängen, und die reichlichen Falten des Stoffes wie derholten, wie ein tausendfaches Echo, die reizenden Bewegungen. Johann Wolfgang von Goethe
Karohemden sind in letzter Zeit in Mode gekommen. Tatsächlich. Was tut man damit? Was nicht?
Ich habe auf ANSWER.com folgende reizend übersetzte Frage (inklusive der nicht minder charmanten Antwort) gefunden:

Frage:
Hat ein Nadelstreifen Anzug und kariertem Hemd Muster passt das zusammen?

Antwort:
Mit heraus sehen, sage ich nein. Zu viele Muster kollidieren und möglicherweise zu viele Farben. Wenn die Prüfungen nicht zu fett und auf ein Unentschieden kann es funktionieren. Persönlich würde ich mit Feststoffen beim Tragen Nadelstreifen es einfach zu halten Stick.
Ok jetzt ist der richtige Kerl oben, wenn Ihr einen Rechtsanwalt vor Gericht zu gehen.
Aber insgesamt gehen Sie vor und tragen es. Folgen Sie einfach ein paar Regeln. Die 2 von 3 Regel. Nur 2 Stück Ihr Anzug, Hemd und Krawatte sollte ein Muster.
Dann zweitens sicherstellen, dass die Muster nicht ähnlich sind, und sie sollten sich gegenseitig ergänzen. Mich persönlich Ich mag einen leichten Nadelstreifen mit einem karierten Hemd und Krawatte fest. Es ist ein kühner Blick und du wirst abheben.


Ich finde auch: Ist ein kühner Blick, auf jeden Fall. Du wirst allerdings nur abheben, wenn du dir ein gestohlenes Feststofftriebwerk auf den Rücken klebst.
Karohemd ist natürlich nicht gleich Karohemd; da gibt es einmal die rotschwarz karierte Flanellsauna eines Wolfgang Petry, und zum anderen feine Baumwollleibchen mit ultradezenten dunkelblauen Karos auf hellblauem Grund, wenn der Anlageberater vom Finanzoptimierer gegenüber mal richtig die Sau rauslassen will.
Und tausend Varianten mehr.
Ich hab ja nichts Kariertes, denn:

Nur Schlank hat Karo im Schrank.

Es gibt ja Poeten, da sehen Karos gut dran aus, denn diese Leute sind dünn, da sitzt das Wams wie angemalt,
die können alles tragen.
Ich hasse sie wirklich.
Unsereins dürfte nur so ein Hemd tragen, wenn er eine, sangwama, Holzfälleraxt mit auf die Bühne bringt, diese dann polternd in eine Ecke lehnt und so tut, als käme er soeben von Drauß` vom Walde, wo er einem arschvoll Pappeln das Maul gestopft hat.
Überhaupt ist es schwierig, ein vernünftiges Karohemd zu erstehen: die meisten Hersteller trauen sich nämlich nicht, die eingewebten Quadrate für sich selbst sprechen zu lassen – da finden sich immer auch aufgedampfte G-STAR RAW Insignien (und ja, der G-Stern ist echt ein Grobian, vor allem in der preislichen Gestaltung, die haben doch den Schuss nicht gehört) oder je nach Gusto Bäumchen, Düsenjets, Gekrakel oder, HERR WARUM?, Tribal (TAKKO).

Der Mensch wird sterben, denn die Natur wird uns vom Antlitz des Planeten wischen, so über kurz oder lang.

Aber auch wenn unsere Erde in Jahrtausenden wie eine verkokelte Biokartoffel durchs All taumeln wird, werden noch immer fabrikneu aussehende Tribal-Discounter-Feudel in den Schubladen längst Hinweggeschiedener liegen.
Das liegt am Polyester.
Polyester sind die Geister, die wir riefen - einmal hergestellt, für immer da.
In Afghanistan sind deutsche Spezialeinheiten damit beschäftigt, im Geheimen glänzende Halbarmhemden mit Drachen drauf mittels atomarer Geschosse zu vernichten.
Vergebens jedoch.
Stattdessen bringen sie die Bevölkerung gegen sich auf.
Das muss ein Ende haben.
Tragt Baumwolle.

Worauf ich exakt hinaus will, kann ich gerade nicht präzise benennen,
die Scroll-Funktion bei Word geht nicht, denn ich habe Maus und Tastatur von MANUFACTUM;
beide sind aus weichem Sisal, von Facharbeitern im Taunus handgehäkelt, aber etwas schwammig in der Handhabung, deswegen ist es erst wieder machbar, zu sehen, was ich weiter oben geschrieben habe, wenn ich Wäschestärke auf mein Equipment gesprüht habe.
Dafür vermeide ich Plastik aller Art.
Naturmaterialien sind der Schlüssel.
Ich habe keine Löschtaste am Keyboard, da ist aber eine Vertiefung, in der ein Holzkeil steckt,
mit dem ich Fehler direkt aus dem Monitor herausschaben kann.
Für immer, klar.
Das zwingt zur Sorgfalt.
Und die gleiche Sorgfalt sollte man auch bei der Wahl seines Karohemdes walten lassen.
Möglichst natürliches Material, klare Karos, gute Passform, dann kann jeder ein Salmen sein – solange er schlank ist und deutscher Meister, aber schlank ist wichtiger.

Ich selbst wollte ja auch Deutscher Meister werden,
aber eine 7-köpfige Jury meinte bereits im Vorfeld, das wäre nicht so dringend,
und das lag nur an meinem Hemd – wer immer sich den Blödsinn mit den guten Texten ausgedacht hat, ist zu bemitleiden.

99 Prozent der Jurymitglieder denken ein und dasselbe:
»Ja gut, keine Ahnung, warum dieser Text, in dem es um die Feigwarzen eines Zeppelinfabrikanten geht, ausgerechnet UDO WILL HUPEN heißt, und warum nimmt der Vogel nicht den Kunstrasen aus dem Mund … aber dieses HEMD! Das ist schon schnieke, und das sitzt ja auch wie ANGEGOSSEN, mein lieber Scholli, ein GANZ FLOTTER FREIER, dem gebe ich mal ne 9,8, da kannze nix falsch machen.«

Alle Deutschen Meister, so haben meine Recherchen ergeben,
trugen gut sitzende Hemden. Alle.
Sollten sich meine Recherchen jedoch als falsch oder geklaut erweisen,
werde ich zurücktreten, und zwar hart.


Röhrenjeans

Der Name dieser Hose lässt Übles vermuten:
Röhren, das klingt starr, nach Gas-und-Wasser-Installateur,
Pipelines und dem Gießkannenmann aus THE WIZARD OF OZ.
Ist aber nur die Form gemeint.
Und hier steht nicht Form über Inhalt, denn ohne dünne Beine wird das Tragen einer RJ zum Trauerspiel.

Ich selbst habe sehr dicke Beine, bei mir ist alles Röhre, aber diese Erkenntnis hilft ja nicht normalen Menschen.
Wenn ich aber eine Hose kaufe, die die selbst für mich als weit zu betrachten ist,
sehe ich aus wie Kara Ben Nemsi, da werden mir dann ständig antike Öllampen angeboten,
und wenn ich über einen Gitterschacht gehe, kann der geneigte Beobachter mir in bester Marylin-Lüftungsgittermanier auf die Klötze starren.
Ich bevorzuge so ein Mittelding.

Man kann ja viel Unschönes über Mischa Sarim-V. schreiben, so zum Beispiel, dass er nur nach Berlin zog, weil in Bielefeld keine Zimmerdecken zu finden waren, die hoch genug für seine Haare sind … aber der Mann kann Röhre tragen, kann er wirklich.
Zuerst dachte ich, das wäre keine Hose, sondern eine Art Tauchbad mit Textilfarbe.
Im Zweiten Weltkrieg herrschte übrigens tatsächlich ein Mangel an Feinstrumpfhosen,
weswegen sich die Frauen damals mit einem Kajalstift eine Naht aufs Bein malten,
um wenigstens von Weitem die Illusion zu erwecken, sie trügen Nylons. Echt.
In der Tat, ich kenne das – wir hatten ja damals nichts.

Meine Röhren-Primetime war Anfang der Achtziger.
Die Jeans waren von Mustang, starr wie Raufasertapete und dunkelblau.
Niemand sah damals ein, warum eine neue Jeans aussehen sollte, als hätte man sie schon hundert Mal getragen.
Oben drüber: PARKA.
Meiner war, glaube ich, kugelsicher, nicht oliv, sondern beige und hatte fünf Pfund Kunstpelz in der Kapuze. Meine Mutter ergriff jeden Morgen eigenhändig die an der Kapuze baumelnden Schnüre und arbeitete mich so unnachgiebig in den Parka ein, dass ich anschließend wie der Träger einer Zweitfrisur wirkte.
Da wurde gezerrt, bis der Arzt kam, denn der Wind war ein Todfeind, da durfte keine Luft an den Schädel.
Finale Doppelschleife, wiedersehen, und iss deine Pausenbrote, weil du doch so gerne Nutella magst,
hab ich dir fingerdick Leberwurst drauf gemacht, die Grobe, die, wo man noch stellenweise das entsetzte Gesicht des Schweins erkennt.
Schuhe waren ein eigenes Thema.
Die Knöchelhohen von ADIDAS waren schon im Vorfeld gestorben, die lagen bei achtzig Reichsmark,
für das Geld gabs auch gefütterte Stiefeletten.
Ich trug 80 Prozent des Jahres Stiefeletten, den Rest der Zeit Sandalen, dazwischen gab es nichts.
Entweder war Winter, oder, eines Dienstags, RUMMS: Sommer.
Die Stiefeletten hatten Reißverschlüsse, ebenfalls Pelz im Inneren und Absätze.
Das waren weniger Schuhe als Hufe.
Jeden Morgen gallopierte ich so zur Schule, unten Zentaur, oben Kindersoldat.
War keine schöne Zeit damals.

Deswegen hier abschließend hier das Fazit zu Röhrenjeans und Karohemd,
ein Fazit, bei dessen Ausformulierung ich es mir in meiner Eigenschaft als der Umberto Eco
zeitgenössischer Bühnengarderobe nicht leicht gemacht habe:

Wenn du meinst, du kannst das tragen … mach doch.



Ps
Am 19.3 gebe ich im LYZ in Siegen einen Bügel-Workshop für Männer. Wer also wissen will, wie man als Mann deutscher Meister werden kann, kommt vorbei.

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