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Xóchil A. Schütz

Xóchil bespricht: „Immer der Nase nach“ von Sulaiman Masomi

Wolfgang Dinkel hat mich gefragt, ob ich für Myslam Publikationen von Slammern besprechen möchte. Mindestens gelegentlich will ich hier nun Bücher, CDs und DVDs vorstellen, an denen mir irgendetwas gefällt oder die mich gar umhauen. Los geht es mit:
„Immer der Nase nach“ von Sulaiman Masomi


Sulaimans Album ist ein Allerlei, verschiedenste Textsorten reihen sich aneinander, Poetry, Slam-Stories, Fantasy und Rap.

Sulaiman beginnt mit dem eigenwilligen Poem „Wenn ich was zu sagen hätt“, das mit seinem kleinen Refrain Ohrwurmcharakter hat.

Es folgen Slam-Stories: Zum einen spaßige und oft hintersinnige Bühnenklassiker wie „Ein Kanake sieht rot“, „Ich, der vergesslichste Typ…“ oder „Ich weiß es“. Zum anderen die ein oder andere in meinen Ohren ein wenig weniger wichtige, aber noch immer gut hörbare Geschichte.

Als ich dennoch gerade fürchtete, ich würde mich langweilen, wenn mir weitere fünf Texte präsentiert würden, die meine Lachmuskeln aktivieren sollten, änderte das Album seine Richtung, und dies wie ein Gewehrlauf:

In „Sprühsahne im Sturmgewehr“ zeigt Sulaiman eine Literatur aus mächtigen, klaren Bildern, aus ursprünglicher Fantasie. Der Text ist musikalisch aufbereitet worden, und das eigen und in meinem Gefühl sehr passend.

Zum Ende des Albums rappt Sulaiman zu Musik. Und hier klingt er für mich anders, purer als in manchen seiner teils comedyhaften Stories:

„Ich finde eure Welt nicht so lustig und so witzig, dass mich hier nichts mehr hält, ich zieh `nen Schlussstrich und verpiss mich. Ich packe meine Koffer, flieh’ und sag’: Das war’s. Ich werd’ hier nicht zum Opfer, ich ziehe auf den Mars“, heißt es in „Eure Welt“. Oder: „Gregor Samsa wird zum Käfer, ich verlasse das Gefängnis.“
- Ein wenig schade finde ich, dass Sulaiman diesen Text so schnell und undeutlich rappt, dass ich mich sehr konzentrieren musste, um wenigstens die Hälfte des Inhalts mitzubekommen.

Der letzte Track des Albums, „Frühlingserwachen“, ist naturlyrisch und dem Leben romantisch und vorsichtig zugleich zugewandt. Das mag ich, weil es am Ende wohl erfüllender ist, sich dem Leben zuzuwenden, als dauerhaft zu versuchen, über es zu lachen.

Dennoch muss das Leben natürlich phasenweise belacht werden, sonst hält es kein normaler Mensch aus. Entsprechend komme ich zu folgendem Fazit:

Auch wenn mich nicht oft Publikationen überzeugen, in denen verschiedenste Textsorten mit ihren zumeist auch verschiedenen Haltungen zum Leben miteinander kombiniert werden: In diesem Fall war es meines Ermessens richtig und wertvoll, dass Verlag und Autor einfach „der Nase nach“ sind. Die teils weniger gute Soundqualität kann ich verzeihen, die Lektüre des kleinen Booklets ist ein eigener, bittersüßer Genuss.

Sulaiman schafft in seinen Texten immer wieder so eigene Augenblicke, dass manche Unvollkommenheit um diese Augenblicke herum nicht schwer wiegt. Trotzdem könnte es sein, dass eine mit noch mehr Bedacht gemachte Publikation mir noch besser gefiele.

Im Ganzen finde ich die CD hörenswert, insbesondere die auffällige Unmittelbarkeit von Sulaimans Sprache fällt unmittelbar auf.


Sulaiman Masomi: „Immer der Nase nach“. Audio-CD. Erschienen im Lektora Verlag. 10 Euro.

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Xóchil A. Schütz

Xóchil A. SchützAutorin, Spokenword-Poetin, Diplom-Politologin
*1975

Seit dem Jahr 2000 Lesungen und Auftritte in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Belgien, Kroatien, Tschechien, der Slowakei, Polen, Lettland, der Ukraine und den USA

Diverse Preise und Stipendien
Zahlreiche Einzelpublikationen